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Donnerstag, 11. Oktober 2007, 07:54

Das zweite Königreich - Ein Hörspiel zur Zeit von William dem Eroberer

Das zweite Königreich

Von Rebecca Gable

[isbn]3867170932[/isbn]

STORY:
Der junge Engländer Cædmon wird 1064 während eines dänischen Piratenüberfalls schwer verletzt. Durch einen Pfeil am Fuß getroffen, findet seine Jugend ein jähes Ende und macht ihn zum Krüppel. Harold Godwinson, der mächtige Earl of Wessex, ist auf dem Weg in die Normandie, um dem dortigen Herzog William eine Botschaft des englischen Königs, Eduard dem Bekenner, zu überbringen. Auf seiner Reise macht er Halt in Helmsby und bittet seinen Freund, Cædmons Vater, ihm Cædmonn, der als Sohn einer normannischen Mutter über die hilfreichen Normannischkenntnisse verfügt, als Vermittler mitzugeben.
Auf der Überfahrt erleiden der Earl of Wessex und sein Gefolge vor der Küste Schiffbruch und werden von einem abtrünnigen Vasallen Williams, Guy de Ponthieu, gefangen genommen. Nach einiger Zeit gelingt Cædmon die Flucht zu William, der daraufhin eine Botschaft an seinen Vasallen schickt und ihn auffordert, seine Gefangenen freizusetzen und sich selbst ebenfalls an Williams Hof zu begeben.
1066, nach der Schlacht von Hastings und Williams Krönung, gerät der junge Cædmon of Helmsby, kaum nach England zurückgekehrt, in eine Schlüsselposition, die er niemals wollte: Er wird zum Mittler zwischen Eroberern und Besiegten. Hin- und hergerissen zwischen der Treue zu seinem König und zu seinem Volk setzt er diese häufig aufs Spiel.
Als William erfährt, dass Cædmon Alesia, die Frau seines besten Freundes Etienne und Schwester seines Erzfeindes Lucien de Ponthieu, liebt, gerät Cædmon abermals zwischen die Fronten …


AUFMACHUNG:
Dieses Hoerspiel wurde vom Hoerverlag produziert und herausgegeben. Als Vorlage dient das Buch gleichen Namens von Rebecca Gable. Das Hoerspiel hat 330 Minuten und kommt auf 6 CDs mit jeweils zwischen 50 und 64 Minuten Spielzeit und 10 bis 13 Tracks. Die CDs erzaehlen eine Geschichte, jedoch ist das Hoerspiel in 6 Folgen eingeteilt, welche alle einen eigenen Spannungsbogen haben und jede CD endet mit einem Hoehepunkt, und die naechste CD baut die Spannung geschickt wieder neu auf. Also koennte man die 6 CDs auch als 6 Episoden einer Mini-Serie ansehen. Das erleichtert das hoeren ungemein, da man immer einen guenstigen Wiedereinstieg hat.
Die CDs kommen in einer sehr schoen gemachten Pappbox, welche 6 zusammenhaengende, aufklappbare CD Huellen hat. Innovativ, praktisch und schoen. Das Cover ist ausgezeichnet. Das Booklet ist sehr sinnvoll. Man findet dort eine Auflistung der Hauptcharaktere (und deren Sprecher), alle Tracks mit Ort und Datum der Handlung, eine Karte, Informationen ueber die Autorin und die Hauptsprecher und auch ein paar Interviews. Sehr sinnvoll sind vor allem die Beschreibung der Charaktere, die mit Namen, Titeln und den Sprechern aufgelistet sind. Das hilft, den Ueberblick zu bewahren. Einziges Manko: Da alles zusammenhaengt, muss man immer die gesamten Box mit allen CD Huellen mit in die Hand nehmen, wenn man das Booklet lesen will. Aber das ist nicht so schlimm.

Bei dem “Spezial” vom Hoerverlag gibt es mehr Informationen und auch Hoerproben.

http://www.hoerverlag.de/specials/gable_koenigreich/

Bei Amazon ist das Hoerspiel im Moment fuer ca. 26 Euro zu haben. Der empfohlene VKP ist ca. 36 Euro.

SPRECHER:
Die Sprecher sind alle gut bis sehr gut. Besonders gefallen haben mir Volker Lechtenbrink (als distanzierter aber dominierender Erzaehler), Thomas Balou Martin (als tief sprechenden Harold Godwinson – einfach KLASSE!), Udo Schenk als trickreicher William der Eroberer (der wird im Laufe des Hoerspiels immer besser und ist sehr vielschichtig), Engelbert von Nordhausen (als Halbbruder von William und Bischof von Bayeux), Hartmut Stanke (der als Chronist dem Hoerspiel die Einleitung und das Ende gibt), und natuerlich Matthias Koeberlin (Der erst einen jugendlichen Helden verkoerpert, dann reift und Verantwortung bekommt. Er ist ein ausgezeichneter Haupthelden Caedmon, der durch seine Gewissenskonflikte hin- und hergerissen wird. Dem nimmt man den jugendlichen, dynamischen, leidenschaftlichen Helden genauso ab, wie Christian Stark als Kantiran in Perry Rhodan). Diese Hauptsprecher machen ihre Arbeit ausgezeichnet. Aber auch fast alle anderen (35-40) Sprecher sind gut bis sehr gut. Ein paar ganz wenige sehr kleine Nebenrollen sind mit Sprechern mittelmaessiger Qualitaet besetzt, aber das faellt kaum auf. Da hat der Hoerverlag beim Casting sehr gute Arbeit geleistet.

Eine komplette Liste der Sprecher gibt es hier:

http://www.hoerverlag.de/specials/gable_…hp?cat=sprecher

MUSIK und EFFEKTE:
WOW!!!! Ich weiss nicht, wann ich zuletzt ein Hoerspiel gehoert habe, dass so ausgiebig passende Musik und Effekte so passend eingesetzt hat und das dann noch technisch so perfekt gemacht hat. Das Timing ist perfekt, der Klang sowieso, die Lautstaerke absolut sinnvoll, so dass man die Sprecher immer laut genug hoert. Fast immer sind Effekte zu hoeren, welche den Hoerer in die mittelalterliche Welt entfuehren. Wenn z.B. Volker Lechtenbrink erzaehlt, dass William eine Flotte bauen laesst, dann hoert man Moewen und Hammergeraeusche im Hintergrund. Bei dem Ritt ueber ein Schlachtfeld mit vielen herumliegenden Leichen, hoert man Raben kraehen. In Hallen, gibt es den Raumklang einer Halle zu hoeren, in der Nacht zirpen Grillen, und so weiter. Das macht es sehr leicht, sich die Situation vorzustellen, den Text zu verstehen und zu verbildlichen. Kampfgeraeusche, Voegel, Wasser, Pferde, Karren, … alles klingt so real, als wenn es direkt neben dem Hoerer stattfindet.

Die Musik von Gerd Nesgen ist ausgezeichnet. Sie wird auch sehr grosszuegig und viel eingesetzt, ist aber zu keiner Zeit aufdringlich oder versucht die Sprecher in den Hintergrund zu draengen. Mal wird sie in voller Lautstaerke als Ueberbrueckung zwischen Szenen oder als Einfuehrung in eine neue Szene eingesetzt, und dann fast waehrend des gesamten Hoerspiels in leiser Lautstaerke im Hintergrund. Man hoert viele Leier-Stuecke, welche fuer den mittelalterlichen Rahmen absolut passend sind. Aber es werden auch viele dramatische Stuecke gespielt um die Spannung zu steigern oder auch emotionale, langsame Stuecke wenn es die Situation verlangt.

Also hat man waehrend des gesamten Hoerspiels drei ueberlagernde Tonspuren. Erst mal den Erzaehler und die Sprecher, dann zweitens die Hintergrundmusik und dann die Effekte. Alles zur gleichen Zeit und ueber die gesamten 330 Minuten. Das ergibt eine absolut klasse Symbose und hebt den Hoergenuss auf die hoechste Ebene. Und dass ist technisch einwandfrei gemacht. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Schwierigkeiten, die Sprecher zu verstehen.

Die Musik und die Effekte sind absolute klasse.

UMSETZUNG:
Da wurde ausgezeichnete Arbeit geleistet. Axel Pleuser hat als Regiesseur das Projekt einen stimmigen Mantel gegeben und die Sprecher gut geleitet. Die Musik, die Effekte und der Text der Sprecher ergeben ein sehr stimmiges, und stimmungsvolles Gesamtkunstwerk, welches absolut zu fesseln und zu unterhalten weiss. Der historische Teil findet sich geschickt verwoben mit der fiktiven Geschichte. Man symphatisiert mit dem Hauptcharakter und seinen Gewissenskonflikten. Die Charaktere sind auch recht real dargestellt mit Staerken und Schwaechen.

Man bekommt hier einiges geboten. Intrigen, Machtspiele, Ritterduelle, Belagerungen, Liebesgeschichte, Konflikte zwischen Freunden, Konflikte zwischen Herrschern und Aufstaendischen, zunehmnde Verbitterung in Charakteren, und vieles mehr. Da wird eine volle Ladung an Abwechslung auf die Hoerer losgelassen.

Dem Erzaehler wird ein gewisser Raum gelassen und das ist auch gut so, denn damit faellt es dem Hoerer einfacher, dem Faden der Geschichte zu folgen. Volker Lechtenbrink macht das ausgezeichnet.

Die Hoerspielbearbeitung von Ariane Skupch ist auch sehr gut gemacht. Vor allem die Einteilung der Geschichte in 6 Kapitel ist sehr sinnvoll. Da kann man mal eine CD hoeren und dann einen Tag warten bis zur naechsten CD. Da jede Folge (oder CD) einen eigenen Spannungsbogen und Hoehepunkt hat und die naechste die Spannungskurve wieder aufbaut, klappt das sehr gut. Ich habe pro Tag eine komplette CD gehoert und dann die naechste CD den naechsten Tag gehoert. Das wuerde ich beim hoeren auch empfehlen, da am Ende einer CD ein Handlungsstrang oder eine Handlungsetappe (einigermassen) abgeschlossen ist bevor es auf der naechsten CD weiter geht. Nur zur Klarstellung, die 6 CDs erzaehlen eine in sich geschlossene Geschichte und ist keine Episodensammlung. Sie wird nur sinnvoll in 6 Episoden unterteilt, welches das Hoeren sehr erleichtert. Wer hat schon Zeit 330 Minuten am Stueck zu hoeren? Da wurde bei der Produktion an die Hoerer gedacht.
Ich kenne das Buch nicht und kann nicht sagen, was beim Hoerspiel alles weggelassen wurde (was notwendig ist, wenn man ein ca. 900 Seiten Buch als Hoerspiel produziert). Jedoch fand ich die Laenge von 6 CDs ausgezeichnet. Lang genug, um in die Tiefe der Handlung, der Intrigen, der Leidenschaft, der Kaempfe und der Gewissenskonflikte zu gehen aber nicht zu lang um zu langweilen. Waeren da noch ein paar CDs mehr, waere es vielleicht zu lang gewesen. Also die Komprimierung des Buches auf 6 CDs ist von der Hoerspielsicht aus sehr sinnvoll. Einzig die letzte CD hat die undankbare Aufgabe alle Handlungsstraenge zusammenzufuehren und kann meiner Meinung nach das Tempo der anderen CDs nicht ganz halten. Aber insgesamt gesehen, klasse gemacht.

FAZIT::up::up::up::up::up: von :up::up::up::up::up:
Die faszinierende, sehr spannend umgesetzte Story, vorgetragen von sehr guten Sprechern, untermalt mit ausgezeichneter mittelalterlicher und dramatischer Musik und fesselnden Hintergrundeffekten machen dieses ueber 5 Stunden Hoerspiel fuer mich klar zu einem Anwaerter fuer das Einzelhoerspiel des Jahres. Ein absoluter Genuss fuer die Ohren, der in jede Sammlung gehoert. Einfach Klasse.

Waschbär

Am Institut für Strahlenkunde und Pendelistik

Beiträge: 1 342

Wohnort: Frisinga

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2

Freitag, 12. Oktober 2007, 17:44

Ist vermerkt und wird demnächst gekauft. Danke für die tolle Rezi, Cherusker.
Was andere Leute uns zutrauen, ist meist bezeichnender für sie als für uns.

Es würde nur sehr wenig Böses auf Erden getan werden, wenn das Böse niemals im Namen des Guten getan werden könnte.

Marie v. Ebner-Eschenbach

Hellboy

unregistriert

3

Samstag, 12. April 2008, 11:31

Mich hat das Hörspiel ebenfalls begeistert! Die Musik entstand doch am Rechner, meinst du das mit "technisch perfekt" umgesetzt? Klang schon künstlich, was ja nicht heisst, das es sich schlecht angehört hat!
Ein richtiges Orchester und Chöre finde ich natürlich besser (wie bei "Säulen der Erde"), aber wer tut das nicht :grins:.

4

Sonntag, 13. April 2008, 14:11

Mit technisch perfekt umgesetzte meinte ich, dass die Soundeffekte, die Musik, die Natur-Hintergrundgeraeusche und die Sprachaufnahmen technisch einwandfrei sind und perfekt miteinander abgemischt wurden. Alles passte da wie die Faust aufs Auge.

5

Donnerstag, 17. April 2008, 00:32

Hallo! ;)

Am 12.02.2008 habe ich zu diesem Hörspiel schon einen Beitrag
geschrieben.Siehe unter:"Die ultimative Hörspielumsetzung einer
Literaturvorlage".

Ich kann nur wiederholen,dass diese Hörspiel zum Allerfeinsten am
Hörspielmarkt gehört!!!!!!!!!!!!

Zafer :]