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acquire

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Mittwoch, 24. Mai 2017, 20:19

Eine Studie in Scharlachrot (Folge 28) – Sherlock Holmes

Der berühmte erste Fall, bei dem sich Dr. Watson und Sherlock Holmes kennenlernen und gleichsam zusammenziehen, endlich auch von Titania Medien! Die Aufteilung auf zwei CDs und eine Laufzeitangabe von 117 Minuten lassen viel Platz. – Ich war sehr gespannt, da meine letzte Betrachtung des Falls eine Interpretation der BBC-TV-Serie mit Benedict Cumberbatch war, die mir überaus gut gefallen hat. Titania Medien ist klassischer orientiert und bleibt nah an der Vorlage, ohne eine 1-zu-1 Kopie zu sein. Die Nähe zu den Vorlagen brachte meiner Meinung nach in der Vergangenheit Schwächen zum Vorschein, wie beispielsweise Deduktionen, die auf Vorurteilen beruhen, die wahrscheinlich festen Meinungen zu Conan Doyles Schaffenszeit entsprachen. Beim vorliegenden Werk ist mir derlei nicht besonders aufgefallen. Das Hörspiel ist rund und ich habe es seit dem Erscheinen bereits vier Mal gehört – der Länge zum Trotz – weil es mir so gut gefällt. Die letzten Holmes-Veröffentlichung Titania Mediens trafen meinen Geschmack sehr. Ich hoffe das hält an.

Der Conan Doyles Roman ist in zwei Teile aufgeteilt, von dem mir bisher nur der erste bekannt war: Das Kennenlernen Holmes und Watsons sowie die Klärung des Falls, den Holmes eine „Studie in Scharlachrot“ nennt. Der zweite Teil brachte mich regelrecht ins Staunen: Er handelt von einer Mormonengruppe, die die Reste einer Familie vor dem Tod rettet – unter der Bedingung, dass sie sich der Glaubensgemeinschaft anschließen. Besonders interessant ist die Tatsache, dass die Familie bei der Besiedelung Amerikas Glück hat und zu Wohlstand kommt, woraufhin Druck auf den Familienvater ausgeübt wird. Er soll endlich seine Tochter verheiraten und muss sich immer wieder verteidigen, warum er als Witwer noch nicht erneut eine Frau ehelichte. Die dort praktizierte Polygamie mag heute auf Unverständnis stoßen. Die packenden Schilderungen der Geschehnisse – die aus der Retroperspektive berichtet werden („Hörspiele im Hörspiel“ gefallen mir immer bei Titania Medien, da sie eine hübsche Abwechslung darstellen) – regen zum Nachdenken an und bieten aus der Perspektive einer monogam geprägten Gesellschaft viel Potential, um die Ergebnisse als schrecklicher zu empfinden, als die objektiv betrachtet bereits sind.

Während des fast zweistündigen Hörspiels sind 18 Sprecher zu hören, die ausnahmslos in ihren Rollen überzeugen. Von den Hauptsprechern ist man nichts Anderes gewohnt, doch es ist überaus schön anzuhören, wie Dr. Watson seiner depressiven Stimmung entflieht und fröhlicher wird, denn als frohen Gesellschafter ist er aus den meisten Fällen bekannt. Sherlock Holmes Wutausbrüche sind ebenfalls einprägsam inszeniert, ebenso wie die Trauer von Mrs Hudson. Die humorvollen Untertöne, Trauer, Schmerz, drohende Gefahren – all dies wird ausgezeichnet vom Sprecherensemble, der dezenten Musik- und Geräuschkulisse zum Ausdruck gebracht.

Fazit
Das Hörspiel liefert einen interessanten Einblick in vergangene Zeiten, wie sie sich Sir Arthur Conan Doyle erdachte. Marc Gruppe lieferte ein hervorragendes Hörspielbuch mit vielen unterhaltsamen und humorvollen Stellen ab. Zusammen mit den sehr gut aufgelegten Sprechern ist es ein exzellentes Hörspiel, das ich jedem Sherlock Holmes und Detektivromanfan wärmstens empfehlen kann.
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Becks

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Mittwoch, 24. Mai 2017, 22:14

Hatte vorhin schon überlegt, was ich heute Abend noch hören könnte - jetzt weiß ich es.

Dein Text macht Lust auf die Geschichte, vielen Dank dafür! :]

acquire

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Donnerstag, 25. Mai 2017, 10:47

Gerne, das freut mich. Lass mich wissen, wie dir das Hörspiel gefällt.
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Becks

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Samstag, 17. Juni 2017, 22:30

So, jetzt komme ich endlich dazu, ein paar Zeilen zu dem Hörspiel zu schreiben.

Die Geschichte gefällt mir insgesamt sehr gut. Sie ist in typischer Titania-Qualität inszeniert und mit durchweg gut aufgelegten und passenden Sprechern umgesetzt worden. Top Arbeit!

Ein paar Kleinigkeiten muss ich aber doch loswerden. :]

Ich bin mit dem Holmes-Universum nur unterdurchschnittlich vertraut und habe deshalb nicht schlecht gestaunt, dass die besten Ermittler Londons (Inspector Gregson und Lestrade) wie totale Anfänger dargestellt werden, denen es wichtiger ist, den jeweils anderen dumm aussehen zu lassen, als den Fall zu lösen. Dabei zertrampeln sie wichtige Spuren, übersehen/ignorieren Indizien und folgen souverän der falschen Fährte.

Dabei machen die Herren kaum große Worte, im Gegenteil - überwiegend hört man sie knurren und grummeln, wobei es der routinierten Schauspielkunst von Peter Reinhardt und Lutz Reichert zu verdanken ist, dass man als Hörer unterscheiden kann, ob es nun ein überraschtes, verärgertes, genervtes, nachdenkliches, aufgeschrecktes, schadenfrohes oder verwirrtes Knurren ist. Naja, jedenfalls wirkt Sherlock gegen die beiden wie Gott persönlich, und das war wohl auch beabsichtigt. :pfeif:

Aufgefallen (weder positiv noch negativ) ist mir eine gewisse Redundanz. Manche Dinge werden zwei- oder gar dreimal erwähnt. Vermutlich, damit man sie über die lange Strecke nicht vergisst.

Insgesamt kann ich die schöne, atmosphärische Geschichte ebenfalls empfehlen und wünsche allen mindestens genauso viel Spaß beim Hören, wie ich hatte!
Ein Dankeschön nochmal an dich @acquire für den Tipp!