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Freitag, 3. Juli 2009, 09:07

Kommissar Dobranski (12) Familienbande (Lübbe Audio)



Inhalt:

Als Dobranski sich mit seiner Ex und seinem Sohn auf einem unfreiwilligen Familienausflug befindet, glaubt er bereits in der Hölle zu sein, doch die steht ihm erst noch bevor. Seine geschiedene Frau wird von einem der übelsten Kiezkönige Hamburgs entführt. Schafft Dobranski es nicht, dessen Tochter zu befreien und dem Kiezpaten zurück zu bringen, wird er seine Marianne nicht lebend wieder sehen! Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, macht Dobranski sich an die Arbeit und geht dabei selber fast vor die Hunde.

Story:

Wenn Susanne Bartsch für das Buch einer Folge von „Kommissar Dobranski“ verantwortlich ist, so muss man sich in der Regel auf eine recht harte Angelegenheit einstellen. Auch bei ihrer 4. Dobbo-Geschichte bleibt sich die Autorin treu und direkt zu Beginn geht es ziemlich zur Sache. So bekommt man dort die auf dem Cover abgebildete Flammenwerfer-Szene zu hören. Derart hart geht es allerdings nicht weiter sondern über weite Strecken ist das Gegenteil der Fall. Wenn Dobranski mit schwulem Sohn und Ex-Frau unterwegs ist kommt wieder der serieneigene Humor zum Tragen, der hier allerdings nicht selten fast schon ins klamaukige abrutscht. Manche der Szenen waren für mich jedenfalls schwieriger zu ertragen als die brutalen Einlagen der Folge. In diesem Punkt steht die Geschichte also schon ein wenig auf der Kippe und die betont einfache Art, wie Dobranski alles zu einem mehr oder minder guten Ende führen kann schmälert den Hörgenuss auch. Spannende Wendungen oder unerwartete Ereignisse sucht man bei dieser Folge jedenfalls vergebens. Stattdessen „erfreut“ man die Ohren des Hörers eben mit der einen oder anderen eigenartigen Eskapade von Dobranskis Familie, was in diesem Falle aber eher störend wirkt. Details hierzu folgen später, denn an dieser Stelle geht es ja nur um die Handlung an sich und die präsentiert sich recht mager und kann dementsprechend auch nicht wirklich überzeugen, leider.

Sprecher:

Bei den Sprechern gibt es recht viel positives zu berichten, aber leider auch einige Aspekte, die den Hörspaß enorm trüben können. Widmen wir uns zunächst den positiven Aspekten: Die Stammcrew der Serie liefert sehr souveräne Arbeit. Konrad Halver gibt als Dobranski weiterhin Vollgas und die Rolle des raubeinigen Bullen scheint ihm auf den Leib geschrieben zu sein. Auch Reinhilt Schneider „stöhnt“ sich in gewohnter Manier durch ihre Rolle, was an gewissen Stellen schon einen Hang zum Nerven haben kann. Demgegenüber ist Klaus Dittman über jeden Zweifel erhaben und erweckt Kiezkönig Vargas zu einem herrlich schmierigen Leben. Lob hat außerdem noch Sonita Sodhi verdient, die einer Vielzahl von Hörern aus der Serie „Andi Meisfeld“ bekannt sein dürfte. Hier zeigt sie sich aber von einer gänzlich anderen Seite und kann einen bleiben Eindruck hinterlassen. Ein solchen Eindruck hinterlässt ohne Frage auch Monty Arnold, aber die Assoziationen die ich mit seiner Darbietung verbinde sind dann eher negativer Natur. Seine Aufgabe besteht darin Dobranskis schwulen Sohn Theo zum Leben zu erwecken und dies geschieht derart überdreht, dass es stellenweise nur schwer zu ertragen ist. Als Arnold voller Inbrunst „Theo, wir fahr'n nach Lodz“ schmetterte, war mein Finger gefährlich nahe an der STOP-Taste. Nicht minder nervend erweist sich die Leistung Marko Peter Bachmanns als voll trunkener Rakete. Bei beiden Darbietungen frage ich mich auch auch ein wenig nach der Relevanz für die eigentliche Handlung. Wie dem auch sei. Für meinen Geschmack wird hier Potential verschenkt, denn eine an sich überaus solide Sprecherriege wird hier in einen recht durchschnittlichen Gesamteindruck gezogen.

Musik und Effekte:

Bei der Untermalung mit Musik geht man diesmal doch arg seltsame Wege. Neben den altbekannten Songs, die man in der Serie seit Beginn zu hören bekommen hat, greift man hier auch auf Archivmusik zurück, die man gerade in der Serie „John Sinclair“ schon bis zum Erbrechen gehört hat. Im Kontext der Serie wirken diese Stücke auf der einen Seite etwas deplatziert und auf der anderen Seite ist der Einsatz auch eine recht ideenlose und einfache Lösung. Leider bleibt es nicht bei dieser einen Entgleisung, denn auch bei der eingespielten Dance-Musik geht man für meinen Geschmack einen Schritt zu weit. Die Musik wird dem Hörer regelrecht um die Ohren geknallt und der Hörspaß wird in diesen Moment doch ein Stück geschmälert. Demgegenüber kann man aber bei der Untermalung mit Geräuschen punkten, denn dort liefert man die gewohnt souveräne Arbeit ab, die man von der Serie gewohnt ist. Wie schon bei den Sprechern komme ich auch hier zu dem Ergebnis, dass einiges an Potential verschenkt wurde.

Fazit:

Das zwölfte Abenteuer rund um den raubeinigen Ermittler vom Kiez stellt für mich eine Enttäuschung dar. Die Schwächen der Produktion ziehen sich durch alle relevanten Bereiche. Es beginnt schon bei der Geschichte. Allzu simpel erweist sich die Handlung und wirkliche Ermittlungen seitens Dobranskis gibt es nicht. Erschwerend hinzu kommt der Umstand, dass man viel Zeit mit den Nebenpassagen verbringt und die sorgen eher für Unmut als für Spaß. Der Grund hierfür sind die stellenweise arg seltsam anmutenden Leistungen von Monty Arnold. Theo, tuntiger und schwuler Sohn Dobranskis, hin oder her, was hier an die Ohren kommt geht mir einfach zu weit und nervt. Leider greift man auch musikalisch etwas daneben: Hier haut man dem Hörer die totgedudelten Archiv-Klänge von u.a. John Sinclair um die Ohren und dort quält man den Hörer mit überlauter Tanzmusik. Zwar rutscht Dobranski nicht derart ab wie es mit der Folge „Tod eines Freiers“ der Fall war, aber dennoch findet man sich mit „Familienbande“ in arg durchschnittlichen Gefilden wieder. Insgesamt eine Produktion, die in der Schule ein 4 mit einem Plus von mir spendiert bekommen würde.

*** / *****
A U S R E I C H E N D (+)


© 28.06.09 by lord gösel / Hörspiel-Maniac