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Matze

amateur d' art

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Montag, 2. Januar 2006, 10:54

LiteraturClips VI mit »Fantome«

Am 7. Januar präsentiert SC auf drumheads.de ab 16.00 die Hörfolge »Fantome«, von Volker Förster und A.J. Weigoni.

Mit »Fantome« untersucht A.J. Weigoni die Beziehung zwischen Sinnverlust und Gewalt. Seine dokumentierte Fiktion ist eine Mischung aus direkter, ungestellter Herangehensweise und stilisierter Überhöhung in extremer Verdichtung, plus einem Schuss Selbstironie. Ihn interessiert der kalte Blick auf den Alltag. Mit kühlem Herzen hat er Anteilnahme und Emotionen unterdrückt, um sie auf diese Art und Weise umso deutlicher zu machen und das halluzinatorische der Normalität hervorzukehren. Was ihn interessiert, ist der Alltag der Unterdrückung, die normale Katastrophe. Das eigentlich–nicht–wissen–Wollen mischt sich in das sich das soziale Restgewissen. Er verurteilt seine Figuren nicht, nimmt seine Charaktere ernst, will sie begreifen. Auch die dunklen Seiten, die jeder von uns hat.

Die Hörspielfolge »Fantome« ist ein prismatisches Spiel, das in vielen Facettenaufleuchten: als leichtfüssige Komödie und ätzende Satire, als Fabel zur gesellschaftlichen Moral zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Das Ganze ist mehr als nur die Summe aller Teile. Die Figuren tragen den Kern der Wahrheit in sich, sie sind es, die die Wahrheit über uns definieren. Es sind Geschichten eines Übergangs: vom Sozial- zum Individualstaat, von der Fürsorgegesellschaft zu Verhältnissen, die jeden auf sich selbst verweisen. Sind von Modediktaten und Filmklischees gelenkt. Untote, die in der Liebe Erlösung suchen. Diese Darsteller verkaufen sich oder lassen sich kaufen, sie handeln mit Vertrauen, Gefühlen, Sex. Sie sind umgeben von kritikloser Selbstdarstellung und hemmungslosem Konsum, unersättlicher Raffgier, bodenloser Ignoranz und oberflächlichem Narzissmus. Uneingeschränkte Freiheit fällt mit absoluter Einsamkeit zusammen. Diese Welt hat keinen Notausgang.

Leben am Wundrand der globalisierten Gesellschaft, das ist das Thema der »Fantome«. Keine Hoffnung mehr, überall nur Apathie. Was geschieht bleibt Reflex auf den Alltag, der niemanden mehr anspornt weil dahinter kein Traum mehr ist und eine Moral schon gar nicht. Deshalb kann A.J. Weigoni dem als Schriftsteller nur mit schwarzem Humor begegnen.


Matthias Hagedorn
In der Bedeutung des Lehnworts aus dem Französischen, wo der "amateur d' art" den kenntnisreichen, enthusiastischen Liebhaber der Künste meint, bin ich ein Dilettant.